Geschichtliches zum Ortsteil Kleinbettlingen

Kleinbettlingen wird zusammen mit Großbettlingen erstmals im Jahr 1386 urkundlich erwähnt, als Güter "ze großen Betlingen" und "kleinen Betlingen" von Konrad Glaheimer, Kirchherr und Schreiber der Herren von Württemberg, an die Pfarrkirche zu Urach verkauft werden. Ob mit den früheren Nennungen "Batilingen" 1137/1138 (Kopie um 1550) und "Bettelingen" 1275 (Kopie um 1350) Groß- oder Kleinbettlingen oder gar beide gemeint sind, läßt sich nicht eindeutig klären. Naheliegend ist wohl, daß die Gründungsgeschichte beider Gemeinden personen- und besitzbezogene Zusammenhänge vermuten läßt.

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Um 1100 war Kleinbettlingen im Besitz der Grafen von Urach und wurde wie Grafenberg, zu dessen Gericht es gehörte, im Jahr 1301 an Württemberg verkauft. Bis 1806 zählte Kleinbettlingen zum Württemberger Amt Neuffen.

Die grundherrlichen Rechte sind im Mittelalter weitgehend zersplittert. Neben den Landesherren sind noch die Dienstmannsfamilie der Kudis (Kudis-Wiesen), die Herren von Sondelfingen (1313 – 1360), das Patriziergeschlecht Munt (1316) und die Herren von Breitenstein (1316 – 1391) als Besitzer zu nennen. Von 3 Kleinbettlinger Höfen lassen sich die grundherrlichen Verhältnisse über Jahrhunderte hinweg verfolgen. Es sind dies "der Hivers-Hof, des Spröchlings-Hof und des Staimers Hof", die der Edelknecht Burkhard Schilling 1441 um 380 Florin erwarb. Durch die Reformation kamen die drei Höfe an das Reutlinger Spital und durch weitere Veräußerungen über den Neckartenzlinger Hans Jakob Spengler an das reiche Nürtinger Spital.

Im Jahr 1602 zählte Kleinbettlingen 69 Einwohner. Nach der Nördlinger Schlacht im Jahr 1634 war der Ort über ein Jahrzehnt unbewohnt. Der Wiederaufbau danach vollzog sich nur schleppend, denn im Jahr 1661 zählte der Ort erst wieder 33 Einwohner, das war die knappe Hälfte des Jahres 1602.

Das Erwerbsleben der Gemeinde Kleinbettlingen beschränkte sich bis zum Jahre 1850 fast ausschließlich auf die Landwirtschaft und Viehzucht. Auch der Weinbau ist seit dem 16. Jahrhundert nachweislich belegt. Die Kleinbettlinger waren in die Bempflinger Mühle und Kelter gebannt. Eine enge Bindung zu Bempflingen hatte Kleinbettlingen durch seine Zugehörigkeit zur Pfarrei Bempflingen, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Bis zum Jahre 1902 wurden auch die Kleinbettlinger Toten auf dem Bempflinger Friedhof bestattet. Der Frucht- und Weinzehnte mußte daher an das Kloster Denkendorf abgegeben werden. Die Kleinbettlinger Kinder gingen bis zum Jahre 1805, mit kurzer Unterbrechung, nach Bempflingen in die Schule. Der Kleinbettlinger Schultheiß Friedrich Gaiser hat im Jahr 1790 an diese gemeinsame Schule eine Stiftung von 100 Florin bereitgestellt. Von den jährlichen Zinsen sollten Bücher und Papier für arme Kinder beider Gemeinden angeschafft werden. Ab dem Jahre 1805 wurde dann für Kleinbettlingen ein Provisor eingesetzt, der in seiner Wohnung, später im Rathaus und ab 1875 im neuen Schulhaus die Kinder unterrichtete.

Das Haufendorf Kleinbettlingen ist erst ab 1918 um eine ganze Reihe von Bauten und Einrichtungen erweitert worden; so das Milchhaus im Jahr 1934, die Pumpstation im Jahr 1934 und die Kanalisation in den Jahren 1946/48. Im Jahr 1950 zählte das Dorf 51 Wohngebäude mit 56 Wohnungen. Das Gewerbe am Ort war von untergeordneter Bedeutung: zwei Gaststätten, das Gasthaus zum "Löwen" und die "Traube", zwei Schneidereien, eine Bäckerei mit Handlung und ein Fuhrunternehmen waren vorhanden.

Es fällt auf, daß die Einwohnerzahl Kleinbettlingens von 1834 (197 Einwohner) bis zum Jahr 1933 (203 Einwohner) über ein Jahrhundert hinweg fast unverändert geblieben ist. Erst nach der Zuweisung von 61 Heimatvertriebenen in den Jahren 1946/1950 ist die Einwohnerzahl auf 270 angewachsen.

Kleinbettlingen ist im Zuge der Gemeindereform seit dem 1.1.1972 Ortsteil der Gemeinde Bempflingen geworden. Obwohl der Ort seit der vorreformatorischen Zeit vielerlei enge Bindungen zu Bempflingen hatte, ist den Kleinbettlingern diese Entscheidung nicht leichtgefallen. Zwischenzeitlich aber kann man feststellen, daß das Zusammenleben der Menschen in den beiden Ortsteilen sehr gut funktioniert und durch die Erschließung von Neubaugebieten eine wohltuende Belebung stattgefunden hat.